Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde

Brüdergemeinde Chemnitz

Herzlich willkommen!

Bibelausstellung 22.-29.9.2016 Jugendkirche St. Johannis, Theresenstraße 2, Chemnitz (Bahnhofstraße/Zschopauer Straße)Eröffnung 22.9.2016  14.00 Uhr, danach Mo - Sa 9.00 - 18.00, Sonntag 13.00 - 18.00, Eintritt frei.

Mit Gott kann ich Mauern überwinden.

Mit Gott kann ich Mauern überwinden!

Es war wieder einer dieser Samstage. Endlich konnten wir wieder einmal ausschlafen. Unsere Kinder erfreuten uns damit, dass sie uns Frühstück ans Bett brachten. Durch das Fenster blinzelten die ersten Sonnenstrahlen, die einen wundervollen Tagen verhießen. Eine Stunde später überlegte ich mir, was heute alles im Garten zu tun sei.

Punkt 9.05 Uhr verließ ich das Haus und steuerte auf den Geräteschuppen zu, als ich aus den Augenwinkeln bemerkte, wie mein Nachbar wild gestikulierend auf den Gartenzaun zustürmte, der unsere beiden Grundstücke voneinander trennte."Oh nein. Nicht der schon wieder." grunzte ich vor mich hin. Ich tat so als hätte ich ihn übersehen und wollte schnellen Schrittes meinen Geräteschuppen erreichen. Ich beeilte mich. Nur noch fünf Schritte und ich wäre weg.

"Herr Markus!" grollte die erregte Stimme des Nachbarn über den Zaun. "Mist!" dachte ich nur noch und drehte mich langsam um. Dieser Tag hätte so schön werden können. Wieso muss es Menschen wie meinen Nachbarn geben? Langsam schlürfte ich zum Zaun, eine neue Standpauke erwartend. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

"Herr Markus, wieso liegen in meinem Garten, Blütenblätter Ihrer Geranien? Und schauen Sie mal hier! Da, sehen Sie das?" mit diesen Worten wies er zum Boden. Ich schaute... und sah nichts Bedeutsames. "Mein lieber Herr..." begann ich. Doch er fiel mir sofort wieder ins Wort "Was? Sehen Sie das etwa nicht? Ihr Giersch wächst unter dem Zaun hindurch - auf mein Grundstück! Können Sie denn nicht mal Ihre Pflanzen im Zaum halten?"

Langsam aber sicher kochte die Wut in mir hoch. Diese ständigen belanglosen Sticheleien gehen nun schon seit Monaten so. "Menschenskinder," fuhr er fort "wenn Sie das nicht einmal schaffen, wie wollen Sie Ihre Kinder beherrschen?" Der hat Nerven. Ich ballte schon meine Hand zu einer Faust. Ich war kurz davor, loszuschlagen.

"Jetzt reicht es!" schrie ich über den Zaun. Mein Nachbar schien mindestens genauso überrascht zu sein, wie ich. Bisher war ich noch nie laut geworden. "Du hast völlig recht, mein Schatz." hörte ich plötzlich eine ruhige und vertraute Stimme hinter mir. Meiner Frau war diese Situation nicht entgangen. Sie war herbei geeilt und legte ihre Hand zart auf meine zitternde Faust.

Ganz allmählich bekam ich mich wieder in den Griff. Ich kehrte ins Haus zurück und ließ meinen Nachbarn einfach stehen. Im Wohnzimmer ließ ich mich einfach ins Sofa fallen. Meine Frau setzte sich auf meinen Schoß und schloss mich in ihre Arme. "Schatz, hast Du schon einmal darüber nachgedacht, warum unser Nachbar seit einigen Monaten so unausstehlich ist?" Etwas irritiert schaute ich meine Frau an. "Schau, vor acht Monaten starb seine Frau, mit der er 50 Jahre lang verheiratet war. So viele Jahre gingen sie gemeinsam durchs Leben, erlebten Höhen und Tiefen miteinander.

Nun stell' Dir mal vor, Dein jahrelanger Begleiter ist plötzlich weg und Du findest einfach keinen Halt mehr." sagte meine Frau. "Also ich..." stammelte ich. "Vermutlich wäre ich ganz schön hinüber..." überlegte ich halblaut. "Genau." unterstrich meine Frau. "Du jedoch hast einen riesigen Vorteil. Du weißt Jesus an Deiner Seite, selbst dann, wenn alles drunter und drüber geht oder alles seinen Halt verliert. Dann weißt Du, dass uns Gott beschützt und trägt."

Betroffen senkte ich meinen Blick. Gerade in diesem Moment konnte ich meiner Frau nicht in die Augen sehen. Es war mir... peinlich. Ich schämte mich, da ich doch eigentlich ein Vorbild sein möchte - für meine Kinder und meine ganze Umwelt. Das schloss meinen Nachbarn natürlich ein. Ich dachte einen Moment nach, dann schlug ich die Bibel auf. In Psalm 18, ab Vers 2 heißt es "Ich will dich von Herzen lieben, o Herr, meine Stärke! Der Herr ist mein Fels, meine Burg und mein Retter; mein Gott ist mein Fels, in dem ich mich berge." das fehlte meinem Nachbarn. Er kannte Gott nicht, er hatte nicht die Möglichkeit, sich bei IHM zu bergen und trösten zu lassen.

Ich war noch ganz in Gedanken versunken, da zeigte meine Frau auf den Vers 29: "...der Herr, mein Gott, macht meine Finsternis licht" und im Vers 30 "...mit meinem Gott über die Mauer springen." Mir war sofort klar, was meine liebe Frau meinte. Sofort sprang ich auf und ging zur Tür. Ich griff nach der Türklinke und... zögerte. Als hätte sie es schon geahnt, hauchte meine Frau mir ins Ohr "Du schaffst das."

Also verließ ich das Haus und steuerte die Haustür meines Nachbarn an. Je näher ich dem Haus kam, desto mulmiger wurde mir in der Magengrube. Der Weg bis zur Tür schien unendlich lang zu sein. Endlich hatte ich es geschafft, bewegte gerade meinen Finger zur Klingel, als die Tür schon geöffnet wurde und ich in ein griesgrämiges Gesicht blickte. "Ja? Was wollen Sie?" schnauzte mich mein Herr Nachbar an.

Ich schluckte einen dicken Kloß herunter und begann mich bei ihm zu entschuldigen. Ich bat ihn um Verzeihung dafür, dass ich so selbstsüchtig war und nur noch schlecht über ihn dachte. Während ich weitersprach, begann eine Veränderung in meinem Gegenüber. Es fiel mir erst gar nicht auf. Doch irgendwann bemerkte ich, dass er gar nicht mehr so grimmig dreinschaute. Nein... sein Blick wurde immer trauriger.

Als ich das bemerkte, wagte ich, ihm von Jesus zu erzählen. Davon, wie Jesus in die Welt kam, um unser aller Versagen, unsere Blindheit des Herzens wegzunehmen und uns eine Zukunft zu schenken. Plötzlich brach der alte Mann laut in Tränen aus und erzählte mir schluchzend von seiner Frau und wie leer sein Leben ohne sie geworden war. Dabei konnte auch ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Und so lagen wir uns weinend in den Armen.

Noch heute Morgen hätte ich diese Situation für unmöglich gehalten. Doch Gott führte mich zu der Einsicht, dass ich als Christ auch nicht immer auf dem richtigen Weg bin. Nun weiß ich es erneut: Wenn wir Gott in unser Leben hineinlassen, dann hilft er uns über die höchsten Mauern.

tg